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Romer-Modell
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Das Romer-Modell ist eine 1990 von Paul Romer entwickelte mathematische Beschreibung (ökonomisches Modell) des Wachstums einer Volkswirtschaft. Es ist ein frĂŒher und bekannter Vertreter der endogenen Wachstumstheorie, die ab den 1980ern als Kritik an und Antwort auf die neoklassischen Wachstumsmodelle entstand.

Den neueren Wachstumstheorien ist gemein, dass der Wachstumsprozess aus den PrĂ€ferenzen der Marktteilnehmer (und deren Spar-, Konsum- und Investitionsverhalten) abgeleitet und insofern „endogenisiert“ werden kann.cite-ref-1[1] Als wesentliche Triebkraft des Wachstums wird der technische Fortschritt angenommen (Economics of Ideas). Forschung und Entwicklung resultieren immer in gĂ€nzlich neue Produktvarianten (VarietĂ€tenmodell), eine Verbesserung bestehender Produkte bzw. KapitalgĂŒter (QualitĂ€tenmodell) ist nicht vorgesehen.

SpÀter folgte eine Verallgemeinerung von Romers Arbeit durch Charles I. Jones im Jones-Modell (1995).

Contents

‱ Das Modell
‱ Skaleneffekt
‱ Rezeption
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Das Modell

Modellannahmen

Im Romer-Modell ist technischer Fortschritt die entscheidende GrĂ¶ĂŸe hinter dem ökonomischen Wachstum. Technischer Fortschritt ist die Folge gewollter Handlungen von Marktteilnehmern, die auf Anreize reagieren, d. h., er resultiert aus Forschung von gewinnorientierten Unternehmen. Um Mittel in technischen Fortschritt zu investieren, verzichten sie auf Konsum und sparen, beziehungsweise investieren Erspartes. Je grĂ¶ĂŸer der Konsumverzicht, desto höher sind die fĂŒr die Forschung der Unternehmen eingesetzten Mittel und desto grĂ¶ĂŸer die Menge der neuen Ideen. Konsumverzicht ist daher die eigentliche Grundlage allen technischen Fortschritts.

Die wichtigste Annahme von Romer ist die Charakterisierung der „Ideen“ im Sinne reinen Wissens als nicht-rivalisierendes Gut (siehe RivalitĂ€tsgrad). Das heißt, eine einmal gemachte Entdeckung und daraus beispielsweise abgeleitete Konstruktionsanleitung kann von beliebig vielen Menschen gleichzeitig genutzt werden, ohne sich dabei gegenseitig zu behindern. Forschung dient so als Grundlage fĂŒr weitere Forschung.

Die fĂŒr das Wachstum entscheidenden Ideen sind teilweise ausschließbar, da sie ĂŒber Patente und andere Schutzrechte gesichert werden können. Sie dĂŒrfen in der GĂŒterherstellung nur vom jeweiligen Lizenznehmer oder Patenthalter verwendet werden, wodurch kurzfristig Marktmacht (Monopol) entsteht. Dadurch wird gewĂ€hrleistet, dass die (oft hohen) Fixkosten in der Produktion einer Idee wieder eingespielt werden, es aber trotzdem zu positiven externen Effekten in Form von Wissens-Spillovern kommt.cite-ref-kornprobst2008-2-0[2]

In der Tat stuft Romer Ideen in seinen Modellen weder als öffentliches Gut noch privates Gut ein:

„Externalities suggest incomplete control or appropriability, but they do not capture the absence of opportunity costs that is the key characteristic of an idea. The combination of some degree of private control and an absence of opportunity costs means that ideas are neither public goods nor private goods – nor a mixture of the two.“

–

Paul M. Romer (1993)

Modellstruktur

Im Modell werden drei Sektoren unterschieden:cite-ref-4[4] ein Forschungs- und Entwicklungssektor (der neue Ideen entwickelt), ein Zwischenproduktsektor und ein Endproduktsektor, welcher die KonsumgĂŒter produziert.

Forschungssektor

Im Forschungssektor werden neue Designs (blueprints) fĂŒr Zwischenprodukte entwickelt. Eine wesentliche Aufgabe besteht also in der Produktion neuen Wissens (und damit in einer Erhöhung des aktuellen Wissensstandes fĂŒr die nĂ€chste Periode). Eine andere ist der Verkauf produzierter Designs, welche beispielsweise ĂŒber Patente gesichert sind. Die durch die Patente geschaffene Ausschließbarkeit ist notwendig, um die Kosten der Wissensproduktion zu decken – was sonst unter vollkommener Konkurrenz nicht möglich wĂ€re (siehe auch Ökonomische Analyse von Patenten). Aus GrĂŒnden der modelltechnischen Vereinfachung wird angenommen, dass sich jede Einheit technischen Wissens in genau einer Einheit eines Zwischengutes niederschlĂ€gt. Das technische Wissen lĂ€sst sich deshalb numerisch durch die Anzahl der Patente beschreiben.cite-ref-5[5]

Um den Bestand an Designs bzw. Wissen zu mehren, stehen dem Forschungssektor Forscher bzw. deren Arbeit H A {\displaystyle H_{A}} (Humankapital) mit einer bestimmten ProduktivitĂ€t ÎŽ ÎŽ {\displaystyle \delta } sowie der aktuelle Stand des technischen Wissens A t {\displaystyle A_{t}} (State of the Art) zur VerfĂŒgung. Dieser Sektor kann mittels einer Wissensproduktionsfunktion wie folgt modelliert werden:

A ˙ ˙ t = ή ή ⋅ ⋅ H A ⋅ ⋅ A t . {\displaystyle {\dot {A}}_{t}=\delta \cdot H_{A}\cdot A_{t}.}

Diese Modellierung hat zwei wesentliche Konsequenzen:

‱ Skaleneffekt: Die Rate, mit der neue Designs entwickelt werden, steigt mit zunehmendem Humankapitaleinsatz bzw. der Anzahl der tĂ€tigen Forscher. Das widerspricht vielen Beobachtungen in der RealitĂ€t und wurde in vielen anderen Wachstums-Modellen zu vermeiden versucht (z. B. dem Jones-Modell).
‱ Giganteneffekt: Die ProduktivitĂ€t im Forschungssektor (bei konstantem Personaleinsatz) nimmt mit jeder neuen Erfindung dauerhaft zu. Diese Tendenz wird auch „shoulders on giants“-Effekt genannt (nach dem Gleichnis der Zwerge auf den Schultern von Riesen). DemgegenĂŒber steht die Tendenz, dass kĂŒnftige Erfindungen immer schwieriger zu machen sind, weil die relativ einfachen zuerst getĂ€tigt wurden („fishing out“-Problem). Auch dieser Effekt wird im Jones-Modell genauer modelliert und relativiert.

Zwischenproduktsektor

Der Zwischenproduktsektor benötigt fĂŒr seine Produktion eine bestimmte Anzahl von KonsumgĂŒtern. FĂŒr die Produktion von ZwischengĂŒtern wird also auf eine gewisse Anzahl an Endprodukten verzichtet. DarĂŒber hinaus benötigt dieser Sektor (wie auch der Endproduktsektor) Arbeit und Humankapital und zusĂ€tzlich Patente aus dem Forschungssektor. Die Zwischenprodukte können auch als KapitalgĂŒter angesehen werden.

Die Unternehmen hier erwerben die Patente unendlich langer Dauer höchstbietend zu einem Preis p A {\displaystyle p_{A}} , sodass jedes Kapitalgut nur von einem Unternehmen hergestellt wird (Monopol).cite-ref-jones2013-6-0[6]

Ihre Produktionstechnologie ist sehr einfach: Aus einer konstanten Menge η η {\displaystyle \eta } an Rohkapital wird ohne weiteren Faktoreinsatz eine Einheit des Kapitalgutes – manchmal wird soweit vereinfacht, dass genau eine Einheit Rohkapital in eine Einheit des Kapitalgutes umgewandelt wird. Diese Technologie sei zur Vereinfachung fĂŒr alle VarietĂ€ten gleich. Außerdem unterliegen die KapitalgĂŒter keiner Abschreibung.cite-ref-kornprobst2008-2-1[2]

Der Kapitalstock der hier produzierten dauerhaften KapitalgĂŒter ergibt sich danach wie folgt:

K t = η η ⋅ ⋅ ∫ ∫ 0 ∞ ∞ x ( i ) d i {\displaystyle K_{t}=\eta \cdot \int _{0}^{\infty }x(i)\,\mathrm {d} i} .

Der positive Parameter η η {\displaystyle \eta } beschreibt, wie viele Einheiten an KonsumgĂŒtern man aufgeben muss, um ein Kapitalgut herzustellen. FĂŒr den Fall η η = 1 {\displaystyle \eta =1} bedeutet dies, dass durch den Verzicht auf eine Einheit des Konsumgutes genau eine Einheit einer neuen Maschine erstellt werden, die zum Kapitalstock wird. In diesem Sinne findet die Kapitalakkumulation als nicht konsumierter Anteil von Endprodukten statt:

K ˙ ˙ t = Y t − − C t . {\displaystyle {\dot {K}}_{t}=Y_{t}-C_{t}.}

Genauer heißt das, dass dieser Anteil nicht konsumierter Endprodukte gar nicht erst hergestellt wird. Die Ressourcen, die es gebraucht hĂ€tte, den Anteil Endprodukte herzustellen, werden stattdessen genutzt, um KapitalgĂŒter zu erzeugen.cite-ref-romer1990-7-0[7]

Endproduktsektor

Der Endproduktsektor besteht aus einer Vielzahl kompetitiver Unternehmen (vollkommener Wettbewerb), die aber alle eine identische Produktionstechnologie nutzen, um homogene KonsumgĂŒter (Endprodukte) zu produzieren. Ein Teil der KonsumgĂŒter wird konsumiert, wĂ€hrend der andere gespart wird und zur Kapitalakkumulation fĂŒhrt.

In diesem Sektor werden (ungelernte) Arbeit L {\displaystyle L} , Humankapital (wie gelernte Arbeit) H Y {\displaystyle H_{Y}} und Zwischenprodukte x ( i ) {\displaystyle x(i)} benötigt. Die vorliegende Technologie weist konstante SkalenertrÀge auf (d. h. alle Exponenten addieren sich zu Eins). Der Endproduktsektor kann wie folgt modelliert werden:

Y = H Y α α ⋅ ⋅ L ÎČ ÎČ â‹… ⋅ ∫ ∫ 0 ∞ ∞ x ( i ) 1 − − α α − − ÎČ ÎČ d i ∀ ∀ t {\displaystyle Y=H_{Y}^{\alpha }\cdot L^{\beta }\cdot \int _{0}^{\infty }x(i)^{1-\alpha -\beta }\,\mathrm {d} i\quad \forall t} ,

wobei fĂŒr einen speziellen Zeitpunkt t die obere Integrationsgrenze auch einen konkreten Wert A t {\displaystyle A_{t}} annehmen kann. Dies ist die endliche Anzahl der zum gegebenen Zeitpunkt realisierten Zwischenprodukte, die nach den aktuell vorhandenen BauplĂ€nen (Ideen) entwickelt wurden, obwohl diese BauplĂ€ne oder Ideen potentiell unendlich sind.

Alle bisher existierenden Zwischenprodukte (Rohkapital) fließen mit einem gewissen Anteil in die Produktion ein, wobei diese keine perfekten Substitute sind, d. h., zwei Maschinen verschiedenen Typs erzielen mehr Output als zwei Maschinen desselben Typs. Die Folge ist eine zunehmende Spezialisierung.

Langfristiges Gleichgewicht und Wachstumsrate

Ein Wachstumsgleichgewicht wird erreicht, wenn die Wachstumsrate der Produktion der des Konsums entspricht, also Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht und die FaktormÀrkte gerÀumt sind. Die intertemporalen NutzenprÀferenzen werden durch den Zins ins Gleichgewicht gebracht.

Wirtschaftliches Wachstum entsteht im Romer-Modell wie folgt:

1. Konsumverzicht fĂŒhrt ĂŒber Kapitalakkumulation zu einem Zuwachs an ProduktivitĂ€t und damit zu Wachstum.
2. Bei Konsumverzicht (d. h. bei einer niedrigen ZeitprĂ€ferenzrate der Haushalte) kann ein Teil des Humankapitals im Forschungs-, statt im KonsumgĂŒterbereich eingesetzt werden. Die aktuelle Produktion fĂ€llt dann zwar niedriger aus, es werden aber stattdessen neue Produkte entwickelt und die Technologie verbessert sich. Dadurch entsteht Wachstum sowie mehr Möglichkeiten fĂŒr Produktion und Konsum in der Zukunft.
3. Dieser Effekt hĂ€ngt eng mit den ExternalitĂ€ten im Forschungsbereich zusammen: Auch das allen anderen Forschern zur VerfĂŒgung stehende Wissen wird erhöht und damit die ProduktivitĂ€t aller weiteren ForschungsaktivitĂ€ten. Der Wachstumsprozess kommt also nicht zum Stillstand.

‱ Nachfrage nach KapitalgĂŒtern Die Nachfrage nach KapitalgĂŒtern (Maschinen) im Endproduktsektor ergibt sich durch die Gewinnmaximierung der Hersteller dort. Die Gewinnfunktion max x ∫ ∫ 0 ∞ ∞ [ H Y α α ⋅ ⋅ L ÎČ ÎČ â‹… ⋅ x ( i ) 1 − − α α − − ÎČ ÎČ âˆ’ − p ( i ) x ( i ) ] d i {\displaystyle {\underset {x}{\operatorname {max} }}\int _{0}^{\infty }[H_{Y}^{\alpha }\cdot L^{\beta }\cdot x(i)^{1-\alpha -\beta }-p(i)x(i)]\,\mathrm {d} i} fĂŒhrt zu der inversen Nachfragefunktion p ( i ) = ( 1 − − α α − − ÎČ ÎČ ) ⋅ ⋅ H Y α α ⋅ ⋅ L ÎČ ÎČ â‹… ⋅ x ( i ) − − α α − − ÎČ ÎČ . {\displaystyle p(i)=(1-\alpha -\beta )\cdot H_{Y}^{\alpha }\cdot L^{\beta }\cdot x(i)^{-\alpha -\beta }.}
‱ Gewinnmaximierung im Zwischenproduktsektor Die Hersteller im Zwischenproduktsektor, der monopolistischer Konkurrenz unterliegt, maximieren ihren Gewinn unter BerĂŒcksichtigung dieser Nachfrage nach ihren GĂŒtern. Somit sieht ihre Gewinnfunktion wie folgt aus: π π = max x = p ( x ) ⋅ ⋅ x − − r ⋅ ⋅ η η ⋅ ⋅ x {\displaystyle \pi ={\underset {x}{\operatorname {max} }}=p(x)\cdot x-r\cdot \eta \cdot x} Hierin stehen die Mieteinnahmen ( p ( x ) ⋅ ⋅ x {\displaystyle p(x)\cdot x} ) den Zinskosten gegenĂŒber, derer es bedarf, um die benötigten KapitalgĂŒter zu erstellen. Der gewinnmaximierende Preis ergibt sich zu: p ÂŻ ÂŻ = r ⋅ ⋅ η η 1 − − α α − − ÎČ ÎČ {\displaystyle {\overline {p}}={\frac {r\cdot \eta }{1-\alpha -\beta }}} Der ZĂ€hler des Bruches enthĂ€lt die Grenzkosten ( r ⋅ ⋅ η η {\displaystyle r\cdot \eta } ). Da der Nenner kleiner Eins ist, liegt der Preis insgesamt ĂŒber diesen Grenzkosten, was als mark-up (Aufschlag) bezeichnet wird. Der Aufschlag zu den Grenzkosten ergibt sich auch durch die ElastizitĂ€t der Nachfrage (Chamberlin’s Mark-Up).
‱ Gewinnmaximierung im Forschungssektor Hier herrscht perfekter Wettbewerb durch die Annahme freien Markteintritts. Der Wert bzw. Preis eines Patents p A {\displaystyle p_{A}} muss dem Barwert der Profite entsprechen bzw. den diskontierten zukĂŒnftigen Gewinnen aus der Zwischenproduktherstellung: p A = ∫ ∫ t ∞ ∞ Π Π x ⋅ ⋅ e − − r ( τ τ − − t ) d τ τ = Π Π x r {\displaystyle p_{A}=\int _{t}^{\infty }\Pi _{x}\cdot e^{-r(\tau -t)}\,\mathrm {d} \tau ={\frac {\Pi _{x}}{r}}} Es liegt eine intertemporale no-profit-Bedingung vor: Die aktuellen Gewinne eines Kapitalguthersteller sind gerade genug, um die Kosten der Zinsrate der anfĂ€nglichen Investition in das Patent zu decken.
‱ Konsumoptimierung der Haushalte In der Ökonomie gibt es eine konstante Anzahl an Haushalten. Die Haushalte maximieren ihre intertemporale Nutzenfunktion: max C t = ∫ ∫ 0 ∞ ∞ C t 1 − − σ σ − − 1 1 − − σ σ e − − ρ ρ t d t {\displaystyle {\underset {C_{t}}{\operatorname {max} }}=\int _{0}^{\infty }{\frac {C_{t}^{1-\sigma }-1}{1-\sigma }}e^{-\rho t}\,\mathrm {d} t} unter der Nebenbedingung: ∫ ∫ 0 ∞ ∞ C t e − − R t d t = A 0 . {\displaystyle \int _{0}^{\infty }C_{t}e^{-R_{t}}\,\mathrm {d} t=A_{0}.} Dies fĂŒhrt schließlich zur Keynes-Ramsey-Regel: C ˙ ˙ C = 1 σ σ ( r t − − ρ ρ ) {\displaystyle {\frac {\dot {C}}{C}}={\frac {1}{\sigma }}(r_{t}-\rho )} .
‱ Gleichgewichtiger Wachstumspfad Entlang des gleichgewichtigen Wachstumpfades (balanced growth path) mĂŒssen Konsum, Output und Innovationen mit gleicher und konstanter Rate g wachsen, sodass: C ˙ ˙ C = Y ˙ ˙ Y = A ˙ ˙ A = g {\displaystyle {\frac {\dot {C}}{C}}={\frac {\dot {Y}}{Y}}={\frac {\dot {A}}{A}}=g}
‱ Optimale Wachstumsrate Durch weitere Umformungen ergibt sich die Wachstumsrate zu: g = ÎŽ ÎŽ ⋅ ⋅ H − − Λ Λ ⋅ ⋅ ρ ρ 1 + Λ Λ ⋅ ⋅ σ σ mit Λ Λ = α α ( α α + ÎČ ÎČ ) ( 1 − − α α − − ÎČ ÎČ ) . {\displaystyle g={\frac {\delta \cdot H-\Lambda \cdot \rho }{1+\Lambda \cdot \sigma }}\quad {\text{mit}}\quad \Lambda ={\frac {\alpha }{(\alpha +\beta )(1-\alpha -\beta )}}.}

Wohlfahrtsmaximierung

Die als optimal berechnete Wachstumsrate ist nicht notwendigerweise sozial wĂŒnschenswert. Überließe man einem sozialen Planer volle Entscheidungsgewalt ĂŒber die Ökonomie und wĂŒrde dieser die intertemporale Nutzenfunktion der Haushalte seiner Entscheidung zugrunde legen, ergĂ€be sich die sozial optimale Wachstumsrate zu:

g w = ÎŽ ÎŽ ⋅ ⋅ H − − α α α α + ÎČ ÎČ â‹… ⋅ ρ ρ ÎČ ÎČ Î± α + ÎČ ÎČ + α α α α + ÎČ ÎČ â‹… ⋅ σ σ . {\displaystyle g_{w}={\frac {\delta \cdot H-{\frac {\alpha }{\alpha +\beta }}\cdot \rho }{{\frac {\beta }{\alpha +\beta }}+{\frac {\alpha }{\alpha +\beta }}\cdot \sigma }}.}

Wobei g w > g {\displaystyle g_{w}>g} gilt. Das liegt daran, dass die Forschung die ProduktivitÀt von Forschern in der Zukunft erhöht, sich diese intertemporale ExternalitÀt aber nicht in Preis der Patente widerspiegelt und die Nachfrage nach Maschinen wegen der monopolistischen Verzerrung geringer ausfÀllt als bei vollstÀndiger Konkurrenz.

Implikationen

Externe Effekte

Im Gleichgewicht des Romer-Modells existieren externe Effekte. ExternalitĂ€ten tauchen bei GĂŒtern auf, deren Grad an Ausschließbarkeit niedrig ist (trifft auf Ideen zu). GĂŒter mit positiven (negativen) ExternalitĂ€ten werden am Markt regelmĂ€ĂŸig zu wenig (zu viel) bereitgestellt.

‱ Negativer externer Effekt: monopolistische Konkurrenz Der Zwischenproduktmarkt (KapitalgĂŒtermarkt) ist durch monopolistische Konkurrenz gekennzeichnet, da der Erwerb eines Patentes dem Inhaber die alleinige VerfĂŒgung ĂŒber das entsprechende Design sichert. Ein sozialer Planer wĂŒrde versuchen, mehr Wettbewerb herzustellen, durch Senkung des Preises auf Grenzkosten. Durch die steigende Nachfrage wĂŒrde Humankapital in der Produktion frei werden, das z. B. in der Forschung eingesetzt werden kann.
‱ Positiver externer Effekt: Der Forschungssektor wird fĂŒr die Mehrung des Wissens nicht entlohnt, sondern nur fĂŒr das verkaufte Patent. Das produzierte Wissen wiederum steht allen zur VerfĂŒgung. Innovationen erhöhen also die heutige und zukĂŒnftige ProduktivitĂ€t der Forscher (und damit die zukĂŒnftige Entlohnung). Dies wird jedoch nicht berĂŒcksichtigt, könnte aber durch höhere Löhne kompensiert werden.

Skaleneffekt

Die Kritik am Skaleneffekt initiierte eine Entwicklung einer ganzen Klasse von Wachstumsmodellen, die diesen Effekt vermeiden. Einen guten Überblick ĂŒber diese Literatur liefern Dinopoulos und Thompson (1999).cite-ref-8[8]

Innovationsprozess

Romers Modellierung des Forschungssektors vernachlÀssigt wesentliche Kennzeichen des realwirtschaftlichen Innovationsprozesses.

‱ VarietĂ€tenmodell (ausschließlich horizontale Innovation) Zum einen nimmt bei Romer die Produktvielfalt stĂ€ndig zu, da alle jemals entworfenen Varianten fĂŒr immer in der Produktpalette enthalten bleiben. Es findet sich aber auch der Fall einer VerdrĂ€ngung alter Produkte, eine Beobachtung, die schon 1942 von Joseph Schumpeter gemacht wurde (siehe Schöpferische Zerstörung). Hierzu gibt es auch eine Reihe von Modellen, die sich auf den Aspekt der ProduktqualitĂ€t konzentrieren, beispielsweise Grossman und Helpman (1991) oder Aghion und Howitt (1992).cite-ref-9[9] Ein auch mathematischer Nachteil der VarietĂ€tenmodelle ist, dass die eingesetzte Arbeit pro Produktlinie exponentiell sinkt (da die Bevölkerung als konstant angenommen wird).cite-ref-kornprobst2008-2-2[2]
‱ Sicherheit des Forschungsergebnisses Zum anderen besteht in Romers Formulierung absolute Gewissheit ĂŒber das Forschungsergebnis. Hat man hinreichend viele Forscher entsprechender ProduktivitĂ€t, so werden diese stets zu neuen Ideen kommen. Dies vernachlĂ€ssigt die Tatsache, dass der Forschungsprozess prinzipiell unsicher (stochastisch) ist. Es ist meist unklar, ob die Ausgaben fĂŒr Forschung tatsĂ€chlich zur Erfindung neuer, verbesserter Produktvarianten fĂŒhren (und wie lange dies dauert), ob der spĂ€tere, zu diskontierende Ertrag aus dem Verkauf der Produktvariante die heute anfallenden Forschungskosten ĂŒbersteigt, und wie lange die QualitĂ€tsfĂŒhrerschaft nach erfolgreicher Innovation in der jeweiligen Industrie andauert.

Rezeption

Romers Arbeiten zum endogenen Wachstum wurden vielfÀltig rezipiert und in der Fachwelt aufgegriffen. In der Research-Papers-in-Economics-Datenbank (RePEc) belegt sein 1990 erschienener Aufsatz Endogenous Technological Changecite-ref-romer1990-7-1[7] den 14. Rang; der vier Jahre zuvor erschienene Aufsatz Increasing Returns and Long-run Growth sogar den 9. Rang (Stand November 2015).cite-ref-10[10]

Romer und sein endogenes Wachstumsmodell wurden in den 2010ern immer wieder als Kandidaten des Alfred-Nobel-GedĂ€chtnispreis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften diskutiert. Romer wurde dieser Preis schließlich 2018 verliehen, zusammen mit William D. Nordhaus. Der letzte Wachstumstheoretiker, der diesen Preis vor ihm gewann, war Robert Solow 1987.cite-ref-11[11] Neben Romer wird als weiterer Wachstumstheoretiker oft Robert J. Barro genannt.cite-ref-12[12]

Literatur

Originalliteratur

‱ Paul M. Romer: Endogenous Technological Change. In: Journal of Political Economy. Band 98, Nr. 5, 1990, S. 71–102, JSTOR:2937632.
‱ Paul M. Romer: Increasing Returns and Long-run Growth. In: Journal of Political Economy. Band 94, Nr. 5, 1986, S. 1002–1037, JSTOR:1833190.

LehrbĂŒcher

‱ Charles I. Jones: Introduction to Economic Growth. 3rd edition. Norton, 2013, ISBN 978-0-393-92078-9. Kapitel 4 und 5.
‱ Xavier Sala-I Martin, Robert J. Barro: Economic Growth. Second Edition. MIT Press, 2003, ISBN 978-0-262-02553-9. Kapitel 6.3.
‱ Lutz Arnold: Wachstumstheorie. Vahlen, MĂŒnchen 1997, ISBN 3-8006-2242-4.
‱ Michael Frenkel, Hans-Rimbert Hemmer: Grundlagen der Wachstumstheorie. Vahlen, MĂŒnchen 1999, ISBN 3-8006-2396-X.

Andere SekundÀrliteratur

‱ Thomas Trauth: Innovation und Außenhandel. Ein Beitrag zur Theorie des endogenen Wachstums in interdependenten Volkswirtschaften (= Wirtschaftswissenschaftliche BeitrĂ€ge. Band 145). Physica-Verlag, Heidelberg 1997, ISBN 3-7908-1019-3 (zugleich: Mainz, UniversitĂ€t, Dissertation, 1996).
‱ Wolfgang Kornprobst: Innovationsbasierte Wachstumstheorie. Diss. 2008.

Weblinks

‱ Romer-Modell. In: Gabler Wirtschaftslexikon

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Malcolm H. Dunn: Wachstum und endogener technologischer Wandel-Eine Kritik des Wachstumsmodells von Paul Romer aus der Perspektive der Evolutorischen Ökonomik. In: ORDO Jahrbuch fĂŒr die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft, Stuttgart, 51, 2000, S. 282–283, hier S. 282.
cite-note-kornprobst2008-22. ↑ Kornprobst (2008): Innovationsbasierte Wachstumstheorie.
cite-note-31. Paul M. Romer: Two Strategies for Economic Development: Using Ideas and Producing Ideas. In: Proceedings of the World Bank Annual Conference on Development Economics, 1992. World Bank, Washington DC 1993, S. 63–91, here: S. 64.
cite-note-44. ↑ Alfred Maussner: Wachstumstheorie. Springer; Auflage: 1996 (4. Oktober 2013), ISBN 978-3-540-61501-9. S. 256ff.
cite-note-55. ↑ Malcolm H. Dunn: Wachstum und endogener technologischer Wandel-Eine Kritik des Wachstumsmodells von Paul Romer aus der Perspektive der Evolutorischen Ökonomik. In: ORDO Jahrbuch fĂŒr die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft, Stuttgart, 51, 2000, S. 282–283, hier S. 287.
cite-note-jones2013-66. ↑ Jones: Introduction to Economic Growth. 2013
cite-note-romer1990-77. ↑ Romer: Endogenous Technological Change. 1990
cite-note-88. ↑ Elias Dinopoulos, Peter Thompson: Scale effects in Schumpeterian models of economic growth. In: Journal of Evolutionary Economics, 9(2), 1999, S. 157–185.
cite-note-99. ↑ Fritz Söllner: Die Geschichte des Ökonomischen Denkens. 3. Auflage. Springer, 2012, ISBN 978-3-642-28177-8. S. 205.
cite-note-1010. ↑ Top 1‰ Research Items by Number of Citations. ideas.repec.org (Research Papers in Economics), abgerufen am 13. November 2015 (englisch).
cite-note-1111. ↑ Unsere Favoriten fĂŒr den Wirtschaftsnobelpreis. In: FAZ, 14. Oktober 2012; Überblicksartikel, abgerufen am 5. April 2014.
cite-note-1212. ↑ Wer gewinnt den Wirtschaftsnobelpreis? In: Handelsblatt, 11. Oktober 2013; abgerufen am 5. April 2014.